Аннотация
Der Beitrag hat zum Ziel, das Problem der Androgynität eines künstlerischen Textes als literarisches Phänomen theoretisch zu fassen. Dazu werden philosophische, anthropologische, literarische und axiologische Aspekte der Androgynie als literarischem Phänomen in ihren historischen und kulturellen Kontexten betrachtet. Besonderes Augenmerk wird auf die Einbettung des Begriffs der Androgynität in den begrifflichen Rahmen der Literaturwissenschaft gelegt, indem die Implementierung der ‚natürlichen‘ geschlechtlichen Selbstwahrnehmung eines Autors oder einer Autorin in den Text als ‚Verfremdung‘ und ‚Identifikation‘ verstanden wird. Untersuchungen zum Phänomen der Androgynität lassen sich daher mit literaturwissenschaftlichen Analysen und Interpretationen einzelner Werke verbinden. In Anlehnung an das Modell der drei Beschreibungsdimensionen von Holger Kuße (Kulturwissenschaftliche Linguistik 2012, 2022) wird Androgynität im Schnittpunkt von Autorenpersönlichkeit, historischem Kontext des Textes und diskursiv entwickelten Idealen betrachtet. Das schließt narratologische Analysen ebenso ein wie soziokulturelle Untersuchungen. Besonderes Augenmerk wird im Beitrag jedoch auf das Ideal des Androgynen in seiner Geschichte gelegt. Wesentliche Texte von Platon bis zum 20. Jahrhundert werden systematisiert. Die Ergebnisse können in Lektürekursen zur Literaturtheorie und Textinterpretation, zur Weltliteratur (antike Literatur – Weltliteratur bis zum XXI. Jahrhundert) verwendet werden.